Sport ist Mord oder wie überlebt man olfaktorischen Horror…
Beim Menschen können manche unangenehme Gerüche Schutzreflexe wie z.B. Würgereflexe auslösen. … Trotz langer Intervalle kommt es zu einer konditionierten Reaktion (z.B. Ekel) auf einen neutralen Reiz (z.B. Umgebung der Nahrungsaufnahme). Ein Bsp. hierfür wäre, wenn Menschen unter Übelkeit leiden, wenn sie Fischgeruch riechen, nachdem sie Jahre zuvor einmal verdorbenen Fisch gegessen haben. Es handelt sich bei dieser leichten Konditionierbarkeit der chemischen Sinne um ein genetisch vorprogrammiertes Lernen.
Wer wie ich sportlich unterwegs ist, Sport mal draußen, mal drinnen, mit oder ohne andere Menschen treibt, wird früher oder später mit eigenen aber auch fremden Gerüchen konfrontiert. Wer intensiv trainiert fängt früher oder später an zu schwitzen. Wer schwitzt kann und darf auch gerne mal danach riechen. Soweit ist die Sache für mich kein Problem. Ich rede hier jedoch davon, dass man nach bzw. während des Trainings geruchliche Veränderungen an sich oder fremden Körpern feststellt.
Leider muss ich immer wieder feststellen, dass Körperpflege bei vielen Leuten wohl doch nicht so groß geschrieben wird. Mir ist es relativ egal, wenn junge Männer nach dem Sport nicht duschen, solange ich mit ihnen nicht im Fahrstuhl fahren muss. Aber wenn junge Mädchen in den Spinningkurs kommen und bereits vor der ersten Aktivität stinken, wie ein läufiger Fuchs unter dem Schwanz, sind meine Grenzen der Toleranz erreicht. Das Schicksal wollte es, dass ich mit einer sehr, sehr sensiblen Nase gesegtnet bin verflucht wurde. Den Kurs in seiner gesamten Dauer durch den Mund amtend zu absolvieren, um die Geruchspartikel nicht in der Nase landen zu lassen, schien die einzige Möglichkeit zu sein, ohne die Kleine anzuschreien, dass sie stinkt. Einzig aus dem Grund dem beißenden, permanent um mich wabernden Achselgeruch zu entkommen, “trockenete” ich mir häufiger als sonst das Gesicht ab. Zwei, drei Atemzüge handtuchgefilterter Luft mit eigenem Weichspülerschweißaroma garantierten das Überlegen für die nächsten 5 Minuten. Falscher Deoroller, fehlende Körperpflege, menstruale Begleiterscheinung? Das ist mir Wurscht. Wer in einen Kurs mit 24 anderen Menschen geht, sollte vorher sein Geruchspotential ermitteln und ggf. geeignete Maßnahmen ergreifen.
Gestern gab es dann aber ein Geruchserlebnis der besonderen Art. Dem Nichtraucherschutzgesetz trotzend, verirrte sich mutmaßlicher Raucher in den montäglichen Spinningkurs. Da meine Nase vom Warten in der Menschentraube vor dem Kursraum und den damit einhergehenden Duftkreationen der Marke: “aufgestoßene Bulette mit viel Zwiebeln” noch leicht betäubt war, nahm ich die anfängliche rauchige Note nicht gleich war. Eigentlich stank der Herr auch nicht richtig nach Qualm. Offensichtlich kam der gute Mann doch nicht direkt aus der Raucherecke. Die letzte Kippe musste also schon etwas her sein, doch mit zunehmender Anstrengung beschleunigte sich seine Atmung und was da aus dem Körper des im rechten Winkel zu mir sitzenden Greises aus dem Körper des selbigen strömte war die Hölle auf Erden. Der Vergleich mit einem gebrauchten Aschenbecher hinkt, denn im Gegensatz zu Männchens Atmung verströmt ein Aschenbecher reinsten Duft. Von verteerten Bronchien gefiltert, auf Körpertemperatur erwärmt, aus der ledrigen, schwarzen Lunge ohne Husten nach draußen geblasen…
Mit einem lauten Stöhnen wandte ich beim ersten Geruchskontakt meinen Kopf nach links und erkannte, dass auch Frau Nachbarin angewidert Witterung aufgenommen hatte. Wer meint, dass eine Lunge ihren Gestank irgendwann leergeatmet haben müsste, irrt sich gewaltig. Das Potential scheint unendlich zu sein. Nun mache ich aus meinen Wahrnehmungen keinen Hehl. Die verschwitzte Maus von letzter Woche hat mich genug leiden lassen und so gab ich meine Feststellung bzgl. des Geruchs auch lautstark zum Besten. Von links erfuhr ich lautstarke Zustimmung, während sich der rechts befindliche, mit Frottéestirnband garnierte Miefkopp seiner Nachbarin zur Rechten (mutmaßlich seine Frau) zuwandte und sie anatmete. Ab und an schwappte eine Welle modriger, verteerter Luft zu mir herüber konnte jedoch dank Handtuchtrick gefiltert werden.
Ehrlich, ich finde sowas unglaublich. Ich bin zugegebener Weise sehr empfindlich was Gerüche angeht. Rauchen, Raucher, Rauch reizen mich äußerst, was nicht zuletzt auf meine eigene, inzwischen 7 oder 8 Jahre zurückliegende Raucherkarriere zurückzuführen ist.
Sollte ich diesen Kurs noch einmal besuchen (dank Trainerwechsel wird dies jedoch nicht geschehen) werde ich wohl oder über mit Deoroller und Pfefferminz bewaffnet meine Nachbarn per Hand verlesen.
7 Meinungen zu “Sport ist Mord oder wie überlebt man olfaktorischen Horror…”
Von Netty
am 29. Januar 2008 um 18:28 | Kommentieren
Wir schieben unsere entfläuchenden Körpergerüche zuhause immer auf die Hunde. :mrgreen:
Du hast schon Recht, ich kann das auch nicht ertragen. Als ich meinen Eisentropf bekommen habe, lag neben mir ein Mann, der auch am Tropf hing u. Zwiebeln ausdünstete. Mensch, war mir schlecht!!
Von glidesurfer
am 29. Januar 2008 um 18:33 | Kommentieren
Igitt, irgendwie bin ich doch froh, nicht so viel Sport zu treiben. Wenn ich mir so wenig Körperhygiene geruchlich antun müsste, würde mir mehr als schlecht werden. Eklig…
Von Schrottie
am 30. Januar 2008 um 13:45 | Kommentieren
Wenn Du wüsstest, welch interessanten Gerüche ich schon aushalten musste, als ich noch aktiv mit dem Rettungswagen unterwegs war. Manche Leute sind da wirklich zu enormen Extremen fähig…
Von tAXMAN
am 30. Januar 2008 um 14:33 | Kommentieren
@Netti: Die armen Hunde! Wobei die sicher auch nicht gerade lecker riechen, wenn sie nass sind. ich kenne das ja von unserer, die übrigens große Ähnlichkeit mit deiner Sammy hat, wenn man schwarz durch braun ersetzt.

@glidesurfer: Das mit dem Geruch ist zwar sehr unangenehm, würde mich jedoch im Leben nicht vom Sport abhalten. Immerhin kann ich mir ja hier Luft machen und schimpfen. Das hilf schon.
@Schrotti: Hehe, der Vergleich zwischen Rettungswagen und Sportstudio hinkt etwas. Ich kann mir aber gut vorstellen was du meinst.
Von Falk
am 31. Januar 2008 um 14:23 | Kommentieren
Zunächst was Fachliches: Zusätzlich zu diesem klassischen Konditionieren spielt allerdings auch “Beobachtungslernen” eine gewisse Rolle. Wenn man z.B. von den Eltern vorgelebt bekommt, dass Schwitzen etwas Ekliges ist :wink:
Das mit dem eigenen Geruchspotential kann einem übrigens auch nur jemand anderes rückmelden – was aber wohl die wenigsten tun werden (jemanden auf seinen Geruch ansprechen). Man selbst bekommt ja seinen eigenen Körpergeruch nicht mit. Daher können Raucher auch nicht verstehen, wenn man als Nichtraucher eine solche Aversion gegenüber diesem Geruch entwickeln kann. Dasselbe gilt natürlich auch für die Wirkung bestimmter Nahrungsbestandteile wie Knoblauch usw. :wink:
…
Wenn es um “normalen” Schweißgeruch geht, ist vielleicht auch mal mit so ein Hemd zu empfehlen:
http://www.psycho-blog.net/a00920.htm
:mrgreen:
LG,
Falk
Von tAXMAN
am 31. Januar 2008 um 14:58 | Kommentieren
Hmm da gibt es so einen Ausdruck, ich komm grad nicht drauf, dass man sich an Gerüche – also auch den eigenen – gewöhnt. Da hast du schon Recht. Mit liegt jedoch viel daran nicht zu stinken. Ich frage da auch schon mal meine Frau oder meinen Zimmerkollegen, ob ich grad am dünsten bin. Bin ich aber in 99,9% aller Fälle nicht. Eine Ausnahme bilden jedoch Knoblauch- und Zwiebelgeruch. Nach einem Döner kann man schon mal tierisch stinken, ohne es selbst zu merken. Deshalb esse sich sowas an Trainingstagen oder wenns in Menschenmassen geht – Shopping, Kino, … – nicht.
Von glidesurfer
am 31. Januar 2008 um 15:43 | Kommentieren
In der Regel sollte man seinen eigenen Körpergeruch schon wahrnehmen können, zumindest was den Schweiß bedingten angeht. Dabei sollte man bedenken, das nur “trockener” Schweiß unangenehm richt. Mehr Informationen gibt es hier.
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