Da waren nur Helden!

Seit gestern weiß ich, dass jeder, der an „Norddeutschlands schönsten Halbmarathon“ (Blankeneser Halbmarathon – Heldenlauf 2008) teilnimmt, als Held bezeichnet werden darf. Zeit? Egal! Hauptsache durchgekommen! Jawoll!

*schrei* IHR SEID ALLE HELDEN! *schrei*
Der Laufkollege Feydab, spricht von brutal und vergleicht den Lauf mit einer Harnröhrenspiegelung und Tiefschlägen. Nuja, die Vergleiche sind irgendwie schon passend, zumindest was die vermuteten Schmerzen angeht, denn hinter dem „schönsten Halbmarathon“ verbirgt sich die härteste und wohl gemeinste Laufstrecke, die ich bisher abgelaufen bin. :evil:

Bei meinen Überlegungen zu diesem Blogeintrag, kamen mir spontan Gedanken an Bergziegen, den Rennsteig und die Erwähnung meiner körperlichen Leistungs- und Schmerzgrenze und Treppen. Treppen, Treppen, Treppen! :oops: Kurzum der Heldenlauf verlangt einem alles ab.

[singlepic=191,160,120,,left]Feydab und meine Wenigkeit ahnten nicht im geringsten, was da auf uns zukommt. Okay, das Streckenprofil hat mit seinen ~280 Höhenmetern schon eine gewisse Aussagekraft, aber was sich tatsächlich dahinter verbirgt, merkt man ja erst, wenn es zu spät ist. So standen wir beide am Sonntagmorgen an der Elbe und fieberten dem Ungewissen entgegen. Etliche Teilnehmer erkundigten sich untereinander, ob der jeweils andere die Strecke kennen würde und ob die denn wirklich sooo schlimm wäre. :mrgreen: Von Treppen war die Rede und von schmalen Waldwegen.

Um 10:25 ging es dann los. Feydab vorne weg, ich hinterher. Nach knapp 2 Kilometern waren wir wieder gleichauf, liefen ein Stück gemeinsam, trennten uns dann aber doch, da zwanghaftes Gemeinsamlaufen nicht wirklich Sinn macht. Ich entdeckte dann einige Meter vor mir einen Läufer, der bereits seit dem Start mein Tempo lief. Ohne mich vorzustellen lief ich an seine Seite und verkündete ab sofort sein Laufpartner zu sein. Tommy aus Hamburg *von_Berlin_aus_rüberwink* war denn auch eine echte Bereicherung, ein angenehmer Gesprächspartner (soweit Luft vorhanden war) und eine gute Begleitung bis kurz vor dem Ziel. Gemeinsam ließen wir uns unbeeindruckt überholen und liefen konsequent unser Tempo. Einige kleine Anstiege auf verschlungenen Waldwegen ließen bereits am Anfang erkennen, dass da was im Busch ist. Eine erste, kleinere Treppe bestätigte, dass auch das mit den Treppen kein Spaß war. Bei ~12km wurde es dann heftig. Auf einer steilen Treppe ging es nach oben und ein Waldweg mit augeschilderten Anstieg von 15% bildete den krönenden Abschluß. ~90 Höhenmeter auf einem Kilometer am Stück sollen es gewesen sein. Nuja, meine stillen Gebete, lauten Seufzer und und noch lauteren Flüche wurden nicht erhört. Es sollte noch schlimmer kommen. [singlepic=190,120,,,right]Der die letzten Reserven verzehrende, unisono verfluchte Anstieg in Form einer nicht enden wollenden, steilen Treppe kam zwischen den Kilometern 16 und 17. Kraftlos, schnaufend, mit steinharten Beinen und einem Puls von 187 Schägen pro Minuten ging es irgendwie, vor allem aber schmerzhaft und schleppend nach oben. Von nun an wurde jeder noch so kleine Minianstieg, und davon gab es noch einige, mit schmerzenden Muskeln und lautem Stöhnen absolviert. Die von Tommy mir und mir avisierte Endzeit von 1:45:00 Stunde war aufgrund der fiesen Steigungen einfach nicht mehr drin. Nach 1:48:51 Stunde war ich endlich im Ziel. Platz 288 bei 1178 Startern / Platz 62 von 242 Startern in meiner Altersklasse lassen mich mehr als zufrieden sein. Dass ich auf dieser *piep* und *piep*en, *piep*, *piep*, *piep* *piep*-Strecke meine Zeit vom Halbmarathon in Berlin um fast ’ne Minute unterboten habe, war auf jeden Fall Grund genug, gestern Abend mit fRAU tAXMAN eine Flasche Sekt zu trinken. PROST! :razz:
[singlepic=192,160,120,,left] Herr Feydab präsentierte sich in guter bester Form und brachte eine hervorragende Leistung. Unglaublich, wie man nach so kurzer Trainingszeit einen solchen Lauf in einer mehr als akzeptablen Zeit überleben kann. Respekt mein Lieber, du bist ein wahrer Held! :grin: Vor allem danke ich dir aber für deine Gastfreundschaft, das gute Essen, die vielen Bier, den wenigen Schlaf *gähn*, das tolle Lauferlebnis :eek: und den schmerzhaftesten Muskelkater, den ich seit Jahren hatte. Danke, danke, danke! Ich werde mich dann beim nächsten Halbmarathon in Berlin revanchieren. Versprochen! :razz:

PS: Da ich ja meine Kommentatoren und deren Humor kenne, erlaube ich mir zu erwähnen, dass der auf dem Foto abgebildete Rettungswagen nichts!!!, aber auch gar nichts!!! mit Feydab und mir zu schaffen hatte. Der stand nur da und wir davor. Alles war gut!

12 Comments

on “Da waren nur Helden!
12 Comments on “Da waren nur Helden!
  1. Voll fies. So ein mieser Seitenhieb auf den Humor deiner Kommentatoren. Pah, bloß gut, dass ich mich davon nicht angesprochen fühle. 😎

    Es darf sich also jeder als Held bezeichnen, der lebend ins Ziel kommt? Na ja, ich bezeichne den Herrn W. auch manchmal als Held, wenn er mich an einem meiner zickigsten Tage ausgehalten hat. Weiß jetzt nicht, wer von euch sich die Heldenbzeichnung eher verdient hat. :mrgreen:

    Und zu der sportlichen Leistung: Alle Achtung! Ihr seid tatsächlich Helden. Und wer da ein bisschen Ironie oder ähnliches sucht, der sucht vergeblich. Das meine ich nämlich ernst. 🙂

  2. @tAXMANN
    congrats!

    Danke für die Klarstellung,Ich dachte schon, gerade noch dem Defi von der Bahre gehupft und schon vor der Linse.

    Oder: Wer hat wem vom Wagen abgeholt?

    So ein Ding (vermutlich nicht den Hamburger 2009, sondern eher was um die Ecke hier) will ich mir unbedingt auch antun. Einer wird gewinnen, mein Schweinehund oder ich.

  3. Ganz im Ernst Tom, jemand der den Heldenlauf noch nicht gemacht hat, kann rumfrotzeln wie er will, im Zweifel müsst er beweisen es selber ins Ziel zu schaffen 😈
    Ich bin übrigens am überlegen näxxtes Jahr noch mal zu laufen, das geht noch besser 😀 und mit April bei dir müssen wir mal schauen, am 29.04 ist Conergy Marathon hier in HH, könnt knapp werden mit Berlin.

  4. @ Rüdiger: *g* Ha, jetzt weiß ich’s. Für Kommentatoren wie dich hat er das mit dem Krankenwagen schnell vorher klargestellt. 😎

    @ tAXMAN: Du solltest deine Hintergrundmotive sorgfältiger wählen. Das erspart viele Worte. :mrgreen:

  5. Thx!
    @Mat: Die Strecke war wirklich nicht MTB-tauglich. Naja, jedenfalls nach meinem laienhaften Verständnis.
    @malenki: Das war auch bei mir nicht freiwillig. feydab hat mich mit geheimen Insiderwissen erpresst.
    @Frau W.: Der Rettungswagen war uns lieber, als die vielen Polizisten, die hinter dem Forografen stehen. Hätten wir die im Rücken, hätte das nur einen kriminellen Eindruck gemacht. Irgendwie war da der Sammelpunkt und Pausenplatz. :mrgreen:
    @Schrottie: Immerhin musste ich unsere Berlinerehre in HH hochhalten. Der „olle“ Hanseat hatte sich ja schon mal abfällig über uns geäußert.
    @Ruediger: Nächstes Jahr im April findet ja in Berlin der Halbmarathon statt. Das wäre doch eine gute Gelegenheit, den Einstand zu geben. Wobei die Strecke im Vergleich zu HH eher Pillepalle ist… 😉
    @Feydab: Wie schon beim Abschied gesagt, wir haben es im Auge, müssen uns jedoch jetzt noch nicht festlegen. Die Einladung steht- übrigens auch von fRAU tAXMAN. 😛

  6. @tAXMAN
    IMHO: 21km sind nie Pille-Palle . 🙂

    Ich denke drüber nach, aber ich mag nicht so weit weg fahren. Ich seh mich die Tage mal um, was e shier im Rhen-Main so gibt, wo ich mich mal versuchen kann

    @Frau W.
    Ja, nu schups ihn doch nicht noch drauf, mensch….. 😳

  7. @ruediger: Oh sorry! Irgendwie bin ich davon ausgegangen, dass auch du aus dem Berliner Raum bist. Keine Ahnung wie ich darauf gekommen bin.

    @Frau W.: 21km in Berlin sind im Vergleich mit dem Heldenlauf definitiv Pillepalle. In Berlin läufst du locker durch. Keine Berge, keine Engepässe, kein Matsch! In Hamburg war das schon anders. Man kam total aus dem Rythmus und die Beine wieder locker zu bekommen ist ja weder auf ’ner Steigung, noch auf Gefälle möglich. Von daher Pillepalle, Pillepalle und noch einmal Pillepalle! 😉

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